Angela Suter

Das SCHREIBEN und ich

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Die Kinderfrage: Best of für Kinderlose

Publiziert am 20. Juni 2016

Wissen Sie, mit der Kinderfrage ist das so eine Sache. In den Köpfen vieler Mitmenschen scheint fest verankert: Pärchen, verheiratet, in den Dreissigern, die müssen Kinder haben oder zumindest wollen. Dabei denken die Kinderfragesteller dummerweise auch wirklich keinen Zentimeter weiter über den engstirnig gezogenen Klischeezaun hinweg. Der Gedanke, kinderlos weil unfruchtbar, ist tief im Gehirn weggesperrt. Unabhängig davon, ob Sie nun keinen Nachwuchs wollen und überglücklich damit sind, oder Sie biologisch gesehen nicht dazu in der Lage sind und damit zu kämpfen haben, oder von der Natur einfach nicht den Segen bekommen und trotzdem ein erfülltes Leben führen- eins haben wir Kinderlose alle gemeinsam: Wir müssen uns ständig erklären. Die gute Nachricht vorweg, die Fragen und bissigen Kommentare werden weniger, mit der Zeit jedenfalls. Dies allein nur schon deshalb, weil Sie graue Haare und Falten bekommen werden. Die schlechte Nachricht, es gibt keinen brauchbaren Ratgeber in Buchform, wenn Sie noch nach der schlagfertigen Antwort suchen und Ihnen die Lust auf gesellschaftliche Anlässe vergangen ist, weil Sie immer mit diesem Thema konfrontiert werden. Auch werde ich Ihnen keinen Ratgeber schreiben, aber ein paar Gedankenanstösse und Anekdoten kann ich als „Trösterli“ liefern.

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Die Männerabrechnung

Publiziert am 19. Februar 2016

„Ich habe die erste Lebenshälfte wohl langsam hinter mir.“ Dieser Spruch liegt bei meinen fünfunddreissig in greifbarer Nähe und wirkt nicht mehr so arg befremdlich, wie noch in den Zwanzigern. Jeweils daran erinnert werde ich auch im Dezember, wenn ich meinem strikt festgelegten Ritual folge. Übers Jahr gesammelte Erinnerungsstücke verstaue ich in einer Box. Zwischen Tagebüchern, Postkarten, Bierdeckeln, Zuckertütchen, Quittungen und alten Liebesbriefen verschwindet ein weiteres gelebtes Jahr, und ich ertappe mich dieses Jahr dabei, wie ich völlig besessen in Erinnerungen schwelge. Mir wird bewusst, dass meine Box eine wahre Fundgrube an gebrochenen Herzen und Männerleichen beinhaltet. Und darum, aus gegebenem Anlass, sehe ich mich verpflichtet, eine Abrechnung zu erstellen.

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Hau drauf

Publiziert am 15. Dezember 2015

Neulich, Tatort Weiberabend, Sie wissen schon, schwerer Rotwein auf dem Tisch, schrilles Gekreische in der Gartenlaube, Witze über Männer, die nur Frauen zum Lachen bringen, ergo glücklich sein. Die bescheidene Mineralwassermenge zwischen dem Valpolicella drückte auf meine Blase, und ich huschte drinnen am Junior meiner Freundin vorbei. Gebannt starrte er auf die Glotze und bewunderte Shaquiri im roten Dress. Auf dem Rückweg brachte ich es nicht übers Herz, achtlos an ihm vorbeizuziehen. Er weiss, dass ich mir die Spiele der Nati gern anschaue, und so setzte ich mich zu ihm. Der Junge, eins dieser Traumkinder, um die man Gott als Eltern in seinen Gebeten anflehen sollte. Kennt „Grüezi, Danke vill Mal, Ade“, einfach grundanständig. Keins dieser AK’s, wie ich die Arschlochkinder abgekürzt beim Einkauf flüsternd anzische, wenn sie mir auf den Wecker gehen. Noch schlimmer, gegen mich rennen, mir die Zunge rausstrecken, oder einen hysterischen Dauerweinschreikrampf vor der Kasse zelebrieren, weil Mutter den Schokoladenkauf verweigert.

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Früher, Heute, Irgendwann

Publiziert am 29. Juli 2015

Mein Grösi, damals das Telegramm als Novum betrachtet und das erste Kurbeltelefon mit staunenden Augen bedient. Ich habe miterlebt, wie sie am endlos scheinenden Kabel vom Wandtelefon durch die bescheidene Stube getigert ist, dabei mit ihren Finken regelmässig über das Eselsohr des Teppichs gestolpert, und immer artig das Telefongespräch mit „Bhüäti Gott!“ beendet hat. Zur endgültigen Überforderung trieb ich sie mit dem Enkelinnen-Sicherheitskauf von einem Senioren-Natel. Sie wissen schon; Tasten so gross wie eine Traube, Kurzwahlspeicher und den peinlichen „Umhängeplämpel“ für den Hals. Kaum war ich zur Tür raus, hat sie die neue Errungenschaft dem ultimativen Härtetest unterzogen. Dem netten Polizisten erklärt, dass sie den Worten ihrer Enkelin keinen Glauben schenken kann, nun aber die Gewissheit hat, die Polizei sei auch wirklich am anderen Ende der Leitung, wenn sie die Eins drücke. Wie vorgesehen auf sich getragen hat sie das Ding nie, sondern brav am Schieber vom Kachelofen aufgehängt und auf Nachfrage erklärt: „Es soll ja nicht kaputtgehen.“

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Bierglaslyrik Todsünde

Charakter auf dem Prüfstand

Publiziert am 7. November 2014

Unlängst stellte ich mir die Frage, wie schlimm es nach dreiunddreissig Jahren Erdenbürgerschaft um mich bestellt ist. Bekanntlich führen ja die sieben schlechten Charaktereigenschaften gerne zum Verstoss gegen die zehn Gebote, und dies führt dann zur Todsünde. Sei es an Hochzeitsfeiern, Geburtstagspartys oder Weihnachten: Diese Festivitäten bringen doch fast immer das Beste und Schlechteste eines jeden zum Vorschein. Ich habe mir darum für meinen schonungslos aufrichtigen Selbstversuch ein sogenanntes „Bäumli-Fäscht“ ausgesucht. Während dem fast einjährigen Nachwuchs gehuldigt wird, bedanken sich dessen Eltern bei Helfern, Freunden und Verwandten mittels üppigem Buffet und reichlich Alkohol.

Gleich zu Beginn der Party konnte ich brillieren. Den älteren Geschwistermädchen des Babys zwei XXL-Kreideboxen einfach so als Präsent in die Hände gedrückt und dafür ein strahlendes Lächeln geerntet, fegte ich die schlechte Charaktereigenschaft Geiz, gleich vom Tisch.

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wer schön sein will

Wer schön sein will, muss leiden.

Publiziert am 6. September 2014

Mit der „Save the date“-Karte vor der Haustür beginnt mein ganz persönlicher Albtraum von Spiessroutenlauf. Wenn Sie glauben, alle Frauen würden panisch werden angesichts der Vorstellung, sich mit der Kleiderfrage auseinandersetzen zu müssen, dann müssten Sie mich in Aktion und im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte erleben. Ich freue mich von Herzen für das angehende Brautpaar, und gleichzeitig werde ich unsichtbar von der Angst angetrieben, nichts Passendes zum Anziehen zu finden. Die Vorstellung, in einem unspektakulär braunen Kartoffelsack die Feierlichkeiten zwischen lauter Schönheiten in glitzerndem Strass und zart fliessenden Stoffen zu verbringen, beschert mir schlaflose Nächte.

Bei solch feierlichen Anlässen werde ich mit zwei hartnäckigen Problemen konfrontiert. Ich besitze weder die Masse einer Schaufensterpuppe, noch sieht man mich in den klassischen Übergrössengeschäften. Ich bin weder Fisch, noch Vogel. Das Versprechen: „Wir finden für jeden etwas“, weckt grosse Erwartungen. Der zweite, zum Albtraum jeder Fachverkäuferin werdende Stolperstein ist: Ich weiss, was ich will und noch genauer, was ich auf den Tod nicht ausstehen kann.

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